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Nobelpreis für Literatur 2021

Gurnah, Abdulrazak: Das verlorene Paradies, Penguin Verlag 2021
Gurnah, Abdulrazak: Das verlorene Paradies, Penguin Verlag 2021

Als Abdulrazak Gurnah Ende 2021 den Nobelpreis für Literatur erhielt, war zu diesem Zeitpunkt keiner der fünf in die deutsche Sprache übersetzten Titel mehr im Buchhandel verfügbar. Als erster Titel wurde „Das verlorene Paradies“ in der Übersetzung von Inge Leipold wieder neu vom Penguin Verlag herausgegeben. Das Werk erschien erstmals 1994 in Großbritannien unter dem Titel „Paradise“. Wie in anderen Werken von Abdulrazak Gurnah spielt auch „Das verlorene Paradies“ in Ostafrika, Tansania bzw. zum Zeitpunkt der Handlung in der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Zunächst haben die deutschen Kolonialherren keinen Einfluss auf das Leben des Jungen Yusuf. Mit zwölf Jahren wird er, um die Schulden seines Vaters zu begleichen, als eine Art Sklave zu einem reichen Kaufmann in die Stadt gebracht. Im Laufe der Handlung wird aus dem naiven Yusuf nach und nach ein junger Mann, besonders während einer gefährlichen Reise mit der Karawane seines Herrn ins Innere des Kontinents, bei der ihm auch die Macht der Weißen erstmals vor Augen geführt wird. Er trifft auf weise und törichte, gute und gefährliche Menschen, lernt die Liebe kennen und steht am Ende vor einer schweren Entscheidung.

Besonders fasziniert hat mich an dem Buch, dass die Handlung komplett aus der Sicht der „kolonialisierten“ Menschen erzählt wird. Die neuen Machthaber treten meist nur in den Erzählungen der Protagonisten in Erscheinung. Gleichwohl ist es eine sehr heterogene Gesellschaft, in der Yusuf aufwächst. Araber, Afrikaner unterschiedlichster Völker oder indische Einwanderer bevölkern das Land. Sie stehen in Ablehnung zueinander oder kooperieren. Oft gehen sie rassistisch miteinander um, manche sind in Freundschaft verbunden, andere trachten einander nach dem Leben. Nach und nach gewinnen die deutschen Eroberer die Oberhand.

„Wer als weißer Europäer Gurnah liest, begreift die eigene Provinzialität, den so engen Ausschnitt, mit dem er die Welt und ihre Geschichte betrachtet“ Schreibt dazu Adam Soboczynski in der ZEIT.

Abdulrazak Gurnah wurde 1948 im Sultanat Sansibar geboren. Er kam 1968 als Flüchtling nach Großbritannien. Dort studierte er Literaturwissenschaft und lehrte dann in Kano, Nigeria, und bis zu seinem Ruhestand an der University of Kent Englisch und postkoloniale Literatur.
(Benjamin Decker)